Durch den sagenumwobenen Balkan…

Kroatien, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland

Nach gut 2 Wochen auf Europas Straßen fühlt es sich immer noch ein bisschen wie Urlaub an. 

Kurze Abschnitte in Albanien und Mazedonien ließen allerdings schon erahnen was uns im vorderen Teil Asiens bald erwarten wird… 

Jedoch hatten wir trotzdem ganz andere Vorstellungen vom sagenumwobenen Albanien. Rudolf sprach seit unserer Abreise davon, wie besonders gespannt er auf diesem Abschnitt unsere Reise sei. Albanien klang für ihn schon sehr abenteuerlich. Besonders die Darstellung im Film „Wag the Dog“ hatten seine Fantasie nachhaltig inspiriert.

 

Auch dachten wir, dass wir spätestens ab da kaum noch eine sichere Infrastruktur an Tankstellen haben werden.

Weit gefehlt – Albanien wird uns als das Land mit den meisten Tankstellen pro Straßenkilometer nachhaltig in Erinnerung bleiben. Alle 100 Meter pflastern dort riesige hochmoderne Zapfanlagen den Wegesrand. Und Albanien wird uns als das Land in Erinnerung bleiben, bei dem wir neben dem Kauf meines geliebten Länderflaggenaufklebers für die Motorradkoffer noch ein Zusatzgeschenk bekamen – einfach so. Seit dem ziert nun ein Schlüsselanhänger mit Albanienaufschrift mein Motorrad. Insbesondere, da die Albaner in vielen Nachbarländern als besonders kriminell gefürchtet werden, empfanden wir diese Geste als überraschend herzlich. 

Hingegen knöpften sie uns in Graz satte 5 Euro für einen läppischen Österreichaufkleber ab. Das empfanden wir als echten Wucher. Jedoch ist die Suche nach Aufkleber für mich und uns ein besonderes Ritual auf unsere Reise geworden. 

Sicher ein bisschen „Old School“ – aber dadurch hatten wir schon eine Menge Spaß auf den ersten Metern.

In Griechenland erfreuten wir uns an überwiegend richtig warmem Klima, wohltuend für Körper und Seele nach den kalten Tage in den Alpen und im Norden Kroatiens.

Wir knatterten bei strahlend blauem Himmel die traumhaft schönen Serpentinen an den Meteora Klöstern vorbei. Und obwohl wir diese Reise zu keiner Sightseeing-Tour machen wollen, sind ein paar Highlights einfach ein MUSS, wenn man schon mal in der Nähe ist. Und so nahmen wir die 180 km Umweg sehr gerne in Kauf, um dieses grandiose Weltkulturerbe zu erleben. 

Als wir uns nach der Besichtigung gerade auf die Suche nach einer geeigneten Unterkunft machen wollten, knatterte ein recht beleibter Mopedfahrer ohne Helm mit dicken Skiandschuhen an uns heran und erzählte in seinem griechischen Englisch, dass seine Mutter und er die BESTE Unterkunft der gesamten Region vermitteln und sie besonders für Motorradfahrer wie uns ein riesengroßes Herz haben. Nach meiner Frage, ob man dort auch etwas zu essen bekäme, schwor er, dass seine Mama die beste Köchin überhaupt in ganz Griechenland sei und speziell für uns kochen würde.

Wir konnten dieses nette Angebot von Costas mit der Bayern München Trainingsjacke natürlich nicht abschlagen und übernachten bei ihm und seiner Mama.

Griechenland wird uns außerdem in Erinnerung bleiben mit verlassenen Küstenferienorten, die erahnen lassen welche Touristenströme hier im Sommer durch die Clubs ziehen. Jetzt liegen sie jedoch da wie Geisterstädte. Wir kamen uns vor wie Darsteller eines Science Fiction Films – zurückgelassen als letzte Überlebende auf der Suche nach Artgenossen. Hin und wieder kreuzte eine Katze den Weg oder ein kläffender Hund rannte uns fast in die Speichen.

Vorteil des Reisens in dieser Jahreszeit sind die ausgesprochen günstigen Pensionspreise und dass man sich um die Übernachtung vor Ort überhaupt keine Gedanken im Voraus machen muss.

Wir freuen uns jetzt schon sehr morgen mit der Einreise in die Türkei, Istanbul in greifbare Nähe zu rücken. In zwei Tagen können wir „In die Stadt“ (=Istanbul) einziehen. Von den Griechen hier vor Ort erfahren wir, dass diese Stadt für sie immer Konstantinopel bleiben wird. Die Uneinigkeit der Griechen mit den Türken ist bis heute in den Gesprächen präsent.

Unsere Tage laufen ähnlich ab: Motorräder packen – Fahren – Pause machen – Ankommen – Unterkunft suchen – Motorräder auspacken – Wetter für den nächsten Tag checken – Route für den nächsten Tag planen…

Und bald nun werden wir Europa verlassen – dann treten wie über nach Asien – Gleiten vom Okzident in den Orient hinein… 

 

Wenn wir morgens der Sonne entgegenfahren, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.